WIRTSCHAFTSSPIEGEL – Ausgabe 4/2023

Das Wirtschaftsmagazin für Thüringen www.wirtschaftsspiegel-thueringen.com Nr. 04.2023 ı 19. Jg. ı 78363 ı 7,70 EUR © Demianastur - stock.adobe.com ARBEITSKRÄFTEMANGEL Reichen die ungehobenen Potenziale? UNTERNEHMERTUM Wie geht Führung heute? REGION IM PROFIL Suhl stellt sich vor Balance halten – Kreisläufe schaffen Wie Unternehmen davon profitieren

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Editorial 3 Foto: Sandro Jödicke_whitedesk Unlängst bin ich auf einen Disney-Trickfilm gestoßen – König der Löwen. Ich liebe diesen Film nicht zuletzt wegen seiner Musik. Sie wissen schon: „Hakuna Matata“ und „Circle of Life“. Auch wenn es Ihnen vielleicht weit hergeholt scheint, glaube ich, dass sich darin eine tiefere Botschaft versteckt, die uns auch heute etwas angeht. Während Timon und Pumbaa mit „Hakuna Matata“ (frei übersetzt: Es gibt kein Problem) die Sorglosigkeit des Lebens besingen, geht es in „Circle of Life“ um den ewigen Kreis des Lebens, den es zu bewahren gilt. Ich finde, dass der Film auf eine unterhaltsame und nicht belehrende Art und Weise eine sehr aktuelle Botschaft vermittelt. Wir müssen die Balance wahren zwischen unseren legitimen Bedürfnissen nach Wachstum und Wohlstand und der Bewahrung unserer Lebensgrundlagen. Zitat aus der deutschen Übertragung des Liedtextes: „Wir sind alle Teil / dieses Universums / und das Leben / ein ewiger Kreis.“ So, und was hat das jetzt mit der Wirtschaft hier und heute zu tun? Sehr viel, glaube ich. Es ist eine Binsenweisheit, dass unsere Ressourcen endlich sind. Stellen wir uns also die Frage, wie wir dem Kreislauf des Lebens in unser aller täglichem Wirtschaften Sorge tragen können – ohne allerdings die Balance außer Acht zu lassen. Oder um im Film zu bleiben: Wenn die Löwen alle Beutetiere aufgefressen haben, werden auch sie zugrunde gehen. Damit sind wir beim aktuellen Heft „Balance halten – Kreisläufe schaffen“. Es liegt uns fern, Sie belehren oder gar erziehen zu wollen. Gleichwohl wollen wir Ihnen gedankliche Impulse vermitteln, wie es gehen kann, wirtschaftliche Interessen mit der Bewahrung unserer Lebensgrundlagen in Einklang zu bringen. Das betrifft viele Aspekte unternehmerischen Handelns, die wir in dieser Ausgabe beleuchten werden. Wir reden also nicht über rein „grüne Themen“ sondern auch über Fragen moderner Führungskultur und das Problem mangelnder Arbeitskräfte. Wir sprechen über innovative Ideen und Produkte sowie darüber, wie die Stadt Suhl mit ihren Herausforderungen vor dem Hintergrund des Wandels umgeht. Sie halten gerade das 60. Heft in der Hand, dass ich redaktionell für den WIRTSCHAFTSSPIEGEL zu verantworten habe. Ich hoffe, dass Sie es ebenso spannend finden, wie mein Team und ich es bei der Erarbeitung gefunden haben. Ihr Torsten Laudien Chefredakteur WIRTSCHAFTSSPIEGEL Der Kreislauf des Lebens

Thüringen Fotos: Parradee - stock.adobe.com, Papacks, HSM, Sandra Böhm (2), A.Savin, WikiCommons Aus dem Inhalt 20 14 08 Kreisläufe und Nachhaltigkeit 08 Wie Unternehmen Kreisläufe schaffen können 12 In Artern sollen Batterien recycelt werden 13 Technologien für ressourceneffiziente Kreislaufwirtschaft 46 StadtLand – von Thüringen lernen Forschung und Technologie 16 So viel Licht wie nötig 20 Neues aus der Hochschule Schmalkalden 23 Projekt gegen Plastikmüll in Gewässern Thüringen 05 Regionale Wirtschaftsnachrichten 14 Wir denken nur bis zur Mülltonne 24 Unternehmen beklagen hohe Kosten 44 Köpfe und Karrieren Aus den Netzwerken 48 Inkubator am Tridelta Campus Hermsdorf 49 TH2ECO stellt Wasserstoffprojekt vor

7. Thüringer Maschinenbautag Ressourcenneutrale Produktionslösungen für Thüringens Zukunft. ein des ThCM und ThZM InnoL G 27. September 2023 COMCENTER Brühl | Erfurt www.cluster-thueringen.de Thüringen 32 28 Region im Profil 32 Suhl – ein Wirtschaftsstandort im Wandel 34 Aus der Tradition beziehen wir unsere Stärke 38 Waffen, Zweiräder und mehr 40 Die Erfolgsgeschichte begann in Suhl 42 Profis für alle Entsorgungsfragen Arbeitswelten 26 Thüringen Fachkräftepotenzial nicht ausreichend 28 Was New Work bewirken kann 30 Plötzlich Führungskraft Anzeige

6 Fotos: GEALAN (S.6), TMP (S. 7) Tarifabschluss erzielt Die Eisenbahn- und Verkehrsgewerkschaft hat mit dem Bahnunternehmen Abellio einen Tarifabschluss erzielt. Das teilte die Gewerkschaft mit. Mitarbeitende des Unternehmens, dessen Regionalzüge auch in Thüringen fahren, erhalten demnach künftig 420 Euro mehr im Monat. Außerdem wurde eine Inflationsprämie in Höhe von 1000 Euro vereinbart. Drittes Institut Die Stadt Jena bekommt ein drittes Helmholtz-Institut. Zum 1. Juli gründeten die Friedrich-SchillerUniversität und das HelmholtzZentrum Berlin für Materialien und Energie (HZB) gemeinsam das „Helmholtz-Institut für Polymere in Energieanwendungen" (HIPOLE). Wie die Universität mitteilte, bündeln beide Einrichtungen ihre Kompetenzen. Ziel sei es, auf der Basis von Polymerchemie und Materialwissenschaften neue Technologien zur Energiespeicherung, Wasserstoff-Erzeugung sowie Photovoltaik zu entwickeln. Speicher geplant In Martinroda im Wartburgkreis plant ein bayerisches Unternehmen einen Großbatteriespeicher. Der Stadtrat von Vacha stimmte einem Pachtvertrag für das städtische Grundstück zu. Der Speicher mit einer Kapazität von 50 Megawattstunden soll am Umspannwerk entstehen und das Netz stabilisieren. Bei starker Stromproduktion solle er Strom aus dem Netz entnehmen und bei Bedarf wieder einspeisen. Die Menge reiche aus, um 30.000 Haushalte zwei Stunden lang zu versorgen. Richtfest gefeiert Gut ein Jahr nach dem Spatenstich für ein neues Hochregallager hat der Fensterhersteller GEALAN am Standort Tanna Richtfest am 15-MillionenEuro-Neubau gefeiert. Das neue Hochregallager soll noch 2023 einsatzbereit sein. Robotik-Plattform Roboter sollen in Jena die Suche nach neuen Antibiotika beschleunigen. Dafür wurde am Leibniz-Institut für Naturstoff-Forschung und Infektionsbiologie eine hochmoderne RobotikPlattform eingeweiht. Damit könnten neue Wirkstoffe sehr viel schneller und in größeren Mengen getestet werden als bisher, hieß es. Die Anlage ist laut Institut von Bund und Land mit insgesamt vier Millionen Euro gefördert worden. Hintergrund ist die Antibiotika-Krise. In immer mehr Fällen helfen Antibiotika nicht mehr, weil sie zu oft eingesetzt werden. Menschen sterben im schlimmsten Fall an bakteriellen Infektionen, die lange als gut behandelbar galten. Standort schließt Nach der Insolvenz der Firmengruppe Tricontes360 im Februar wird der CallcenterStandort in Gera geschlossen. Das teilte der Hamburger Insolvenzverwalter Tjark Thies mit. Von der Schließung sind etwa 180 Menschen betroffen. Neben Gera werden drei weitere Standorte aufgegeben. Der Standort in der Geraer Hainstraße gehörte mit einst mehr als 500 Beschäftigten zu einem der größten Arbeitgeber der Stadt. Wirtschaftsnachrichten aus Thüringen Verfahren gestartet Der Thüringer Bergbauentwickler Südharz Kali GmbH ist in das Genehmigungsverfahren für ein Kaliwerk in Nordthüringen gestartet. Eine sogenannte Scopingunterlage für das spätere Raumordnungsverfahren wurde beim zuständigen Thüringer Landesverwaltungsamt (TLVwA) eingereicht. Darin werden zwei unterschiedliche Entwicklungswege mit verschiedenen Optionen vorgezeichnet. So könnte das Vorhaben zum einen als sogenanntes „Brownfield-Projekt“ im Bereich Bernterode umgesetzt werden, dabei würde auch die bestehende bergbauliche Infrastruktur genutzt. Die Alternative stellt ein „Greenfield-Projekt“ mit neuem Schachtzugang im Bereich der Gemeinde Haynrode dar. Überdies wird ein Industriegebiet in Leinefelde als Standort für die Rohsalzaufbereitung und für Transport und Logistik in Betracht gezogen. Neue Rechtsform Die Digital-Agentur Dotsource aus Jena hat ihre Rechtsform verändert und agiert rückwirkend ab Jahresbeginn als sogenannte Europäische Aktiengesellschaft (SE). Das soll Wachstum in ausländischen Märkten, etwa in Kroatien, erleichtern. An der Börse sollen keine Aktien gehandelt werden. Allerdings ändern sich die Strukturen der Unternehmensführung. Gründer Christian Grötsch agiert fortan als Verwaltungsrat. Die Geschäftsführung übernehmen Christian Malik, Frank Ertel und Janine Bohnenberg. Für Mitarbeitende soll sich nichts ändern. Thüringen Die GEALAN-Geschäftsführer Ivica Maurović und Tino Albert, Tannas Bürgermeister Marco Seidel und Landrat Thomas Fügmann (v.l.)

7 Thüringen Anzeige Design - Bau - Service Immobilien mit System GOLDBECK Niederlassung Thüringen, 99334 Amt Wachsenburg, Thöreyer Straße 1, Tel. +49 36202 707-0, erfurt@goldbeck.de GOLDBECK Geschäftsstelle Suhl, 98544 Zella-Mehlis, Zellaer Höhe 2b, Tel. +49 3682 46060-100, suhl@goldbeck.de building excellence goldbeck.de Insektenhotel übergeben Am Standort „Kornspeicher“ in Bad Langensalza hat die offizielle Übergabe eines Insektenhotels stattgefunden. Im Zusammenhang mit dem Umbau des alten Silos in einen Energiespeicher mit einer Anlage für Kraft-Wärme-Kopplung für die Erzeugung von Strom und Fernwärme sowie einer gleichzeitigen Heißwasserspeicherung wurde auch das gesamte Umfeld naturnah gestaltet. Sponsor ist die TMP Fenster und Türen GmbH. Schnelle Ladesäulen Die Stadtwerke Suhl/Zella-Mehlis (SWSZ) haben ihre ersten zwei Schnell-Ladesäulen mit insgesamt vier Ladepunkten in Zella-Mehlis ans Netz gebracht. Wie die Stadt mitteilte, befinden sie sich am Einkaufszentrum Talstraße und am Gewerbegebiet Hollandsmühle. Investiert wurden 120.000 Euro. Die Hälfte wurde vom Land gefördert. Investor gefunden Die Investorensuche für die insolvente Firma Gotha Druck und Verpackung GmbH war erfolgreich. Wie Insolvenzverwalter Rolf Rombach mitteilte, ist der Kaufvertrag mit Waldstead Leykam Druck unterschrieben worden. Die Gotha Druck und Verpackung GmbH & Co. KG wurde 1991 gegründet und seither vom Inhaber geführt. Im Februar hatte sie Insolvenz angemeldet. Modernisierung beendet An der Technischen Universität Ilmenau ist das umgebaute Oeconomicum feierlich wiedereröffnet worden. Das Gebäude im Osten der Stadt wurde für 6,3 Millionen Euro umfassend modernisiert, wie das Bauministerium mitteilte. Es stammt aus den 1980er Jahren. Dort sind unter anderem Computer- und Seminarräume untergebracht. Beim Umbau wurden Brandschutz, Elektroversorgung, Wärmedämmung und ITInfrastruktur erneuert. Insolvenz beantragt Das Suhler Hightech-Unternehmen CDA hat Antrag auf Insolvenz in Eigenverwaltung gestellt. Nach Angaben des Generalbevollmächtigten Hendrik Gittermann wird das Unternehmen geordnet weitergeführt. Es herrsche große Zuversicht, die CDA GmbH erfolgreich sanieren zu können. Die Suche nach einem Investor habe bereits begonnen. CDA stellt unter anderem optische Speichermedien her. Betrieb eingestellt Das 1990 gegründete Unternehmen Dün-Fleisch in Hüpstedt im Landkreis Eichsfeld hat den Geschäftsbetrieb zum Juli eingestellt. Alle 58 Beschäftigten verlieren ihre Jobs. Betroffen sind demnach neben der Produktionszentrale in Hüpstedt auch acht Verkaufsstellen. Lediglich drei Filialen – in Gotha, Eisenach und Hüpstedt – seien noch für kurze Zeit geöffnet. (tl)

Kreisläufe und Nachhaltigkeit 8 Foto: Parradee - stock.adobe.com Ressourceneffizienz ist der Königsweg, um nicht nur schonend mit den Lebensgrundlagen umzugehen, sondern auch Unternehmen nachhaltig und zukunftssicher aufzustellen. Dabei rücken Kreisläufe immer weiter in den Blickpunkt. Sie müssen neu gedacht und organisiert werden. Aber wie? Organisation von Kreisläufen Die Organisation von Kreisläufen in einem Unternehmen kann auf verschiedene Arten erfolgen. Hier sind einige grundlegende Schritte und Prinzipien, die Ihnen helfen können, Kreisläufe in Ihrem Unternehmen zu organisieren: Analyse der bestehenden Prozesse Untersuchen Sie zunächst die bestehenden Prozesse und identifizieren Sie potenzielle Kreisläufe. Schauen Sie sich die Materialflüsse, die Energieverwendung und andere Ressourcenströme an, um Bereiche zu identifizieren, in denen Abfall reduziert oder Ressourcen wiederverwendet werden können. Setzen Sie klare Ziele Definieren Sie klare Ziele für Ihre Kreislaufinitiative. Möchten Sie Abfall reduzieren, Ressourceneffizienz verbessern oder die Wiederverwendung von Materialien fördern? Setzen Sie quantitative Ziele, die messbar und überwachbar sind, um den Fortschritt zu verfolgen. Schulung und Bewusstseinsbildung Schulen Sie Ihre Mitarbeitenden in Bezug auf Kreislaufwirtschaft und Ressourceneffizienz. Schaffen Sie ein Bewusstsein für die Bedeutung von Kreisläufen und ermutigen Sie Ihre Belegschaft, Ideen zur Verbesserung vorzuschlagen. Bieten Sie Schulungen, Workshops oder Informationsveranstaltungen an, um das Wissen und das Engagement Ihrer Mitarbeitenden zu fördern. Zusammenarbeit mit Lieferanten und Kunden Stellen Sie eine enge Zusammenarbeit mit Ihren Lieferanten und Kunden her, um den Austausch von Materialien und Ressourcen zu fördern. Identifizieren Sie Möglichkeiten zur Rückführung von Materialien in den Produktionsprozess oder zur Wiederverwendung von Produkten nach ihrer Lebensdauer. Kreislauforientierte Gestaltung von Produkten und Verpackungen Berücksichtigen Sie bereits bei der Produktentwicklung und Verpackungsgestaltung die Prinzipien der Kreislaufwirtschaft. Verwenden Sie recycelbare oder wiederverwendbare Materialien und minimieren Sie den Einsatz von Einwegverpackungen. Betrachten Sie den gesamten Lebenszyklus Ihrer Produkte und suchen Sie nach Möglichkeiten, die Haltbarkeit, Reparierbarkeit und Wiederverwendbarkeit zu verbessern. Implementierung von Rücknahmesystemen Richten Sie Rücknahmesysteme ein, um Produkte oder Materialien nach ihrer Nutzung wieder in den Kreislauf zurückzuführen. Dies kann beispielsweise die Rücknahme von Verpackungen, die Reparatur von Produkten oder das Recycling von Materialien umfassen. Stellen Sie sicher, dass diese Systeme effizient und für Ihre Kunden zugänglich sind. Monitoring und Bewertung Überwachen Sie kontinuierlich die Ergebnisse Ihrer Kreislaufinitiativen. Erfassen Sie Daten zu Abfallmengen, Ressourcenverbrauch und anderen relevanten Kennzahlen, um den Fortschritt zu verfolgen und Verbesserungspotenziale zu identifizieren. Führen Sie regelmäßige Bewertungen durch und passen Sie Ihre Strategie bei Bedarf an. Fazit Die Implementierung von Kreisläufen erfordert ein ganzheitliches Denken Seit dem 2. August dieses Jahres lebt die Menschheit für dieses Jahr auf Pump. Als „Earth Overshoot Day“ wird der Tag bezeichnet, an dem die Menschheit aufgebraucht hat, was die Natur bis Ende des Jahres zur Verfügung stellt. Und das war in diesem Jahr der 2. August. Für die verbleibenden 151 Tage gibt uns die Erde also Kredit. Man kann auch sagen, dass wir knapp fünf Monate lang Raubbau an unseren Lebensgrundlagen betreiben – auch wirtschaftlich. Kreisläufe zu schaffen, ist ein komplexes Projekt Ressourceneffizienz hat ökonomische und ökologische Aspekte

Kreisläufe und Nachhaltigkeit 9 und eine kulturelle Veränderung im Unternehmen. Es ist wichtig, dass alle Mitarbeitenden engagiert sind und die Vorteile einer nachhaltigen und ressourceneffizienten Arbeitsweise verstehen. Eine systematische He- rangehensweise, klare Ziele und kontinuierliche Verbesserungen sind entscheidend, um erfolgreich Kreisläufe in Ihrem Unternehmen zu organisieren. Welche Kreisläufe sind in Unternehmen zu beachten? Es gibt viele verschiedene Arten von Kreisläufen, die Unternehmen implementieren können. Hier sind einige Beispiele für Kreisläufe in Unternehmen. Nicht immer trifft alles für jedes Unternehmen zu. Materielle Kreisläufe · Recycling: Unternehmen können Materialien wie Papier, Kunststoffe, Glas oder Metalle recyceln, um sie in neuen Produkten oder Verpackungen wiederzuverwenden. · Abfall als Ressource: Unternehmen können Abfälle aus ihrem Produktionsprozess als Ressource nutzen, indem sie sie als Rohstoffe für andere Unternehmen oder Branchen bereitstellen. · Kreislaufwirtschaft bei Baustoffen: In der Bauindustrie können Unternehmen Baumaterialien wie Beton, Ziegel oder Holz recyceln und wiederverwenden, um Ressourcen zu schonen und Abfall zu reduzieren. Energiekreisläufe · Nutzung erneuerbarer Energien: Unternehmen können erneuerbare Energiequellen wie Solarenergie, Windkraft oder Biomasse nutzen, um ihren Energiebedarf zu decken und gleichzeitig den Ausstoß von Treibhausgasen zu reduzieren. · Energiegewinnung aus Abfall: Un- ternehmen können Abfälle oder Nebenprodukte aus ihrem Produktionsprozess verwenden, um Energie zu erzeugen, zum Beispiel durch Biogasgewinnung aus organischen Abfällen. Logistische Kreisläufe · Reverse Logistics: Unternehmen können Rücknahmesysteme für Produkte einführen, um sie nach ihrer Nutzung zurückzunehmen, zu reparieren, aufzubereiten oder zu recyceln. · Sharing Economy: Durch die Bereitstellung von gemeinsam genutzten Ressourcen oder Dienstleistungen können Unternehmen die Nutzung von Produkten maximieren und gleichzeitig den Ressourcenverbrauch verringern. Wasser- und Abwasserkreisläufe · Wasseraufbereitung und -wiederverwendung: Unternehmen können Technologien zur Aufbereitung von Abwasser implementieren und das gereinigte Wasser für nicht-trinkwasserbezogene Zwecke wie Bewässerung oder Reinigungsprozesse wiederverwenden. · Kreislaufsysteme für Kühlwasser: In industriellen Anlagen können geschlossene Kühlwassersysteme implementiert werden, um den Wasserverbrauch zu minimieren und die Effizienz zu maximieren. Fazit Diese Beispiele verdeutlichen, dass Kreisläufe in verschiedenen Bereichen eines Unternehmens umgesetzt werden können. Dabei ist es wichtig, dass Unternehmen die individuellen Gegebenheiten und Potenziale analysieren und passende Lösungen entwickeln, um ihre Ressourceneffizienz zu verbessern und nachhaltiger zu wirtschaften. Welche Vorteile bietet die Neuorganisation von Kreisläufen den Unternehmen? Die Organisation von Kreisläufen in Unternehmen kann eine Vielzahl wirtschaftlicher Vorteile mit sich bringen. Hier sind einige der wichtigsten: Kosteneinsparungen Durch die Implementierung von Kreisläufen können Unternehmen ih-

re Material- und Energieeffizienz verbessern, Abfall reduzieren und Ressourcen wiederverwenden. Dies führt zu direkten Kosteneinsparungen, da weniger Materialien gekauft werden müssen und Entsorgungskosten sinken. Steigerung der Wettbewerbsfähigkeit Unternehmen, die Kreisläufe implementieren, können ihre Ressourceneffizienz und Umweltleistung verbessern, was sie zu attraktiven Partnern für Kunden, Lieferanten und Investoren macht. Eine nachhaltige Geschäftspraxis kann die Reputation eines Unternehmens stärken und es von Wettbewerbern differenzieren. Innovationspotenzial Die Einführung von Kreisläufen erfordert oft neue Denkweisen und innovative Lösungsansätze. Durch die Suche nach Möglichkeiten zur Ressourceneffizienz und zur Schließung von Materialkreisläufen werden Unternehmen dazu angeregt, kreative Lösungen zu entwickeln, neue Technologien zu nutzen und ihr Geschäftsmodell weiterzuentwickeln. Reduzierung von Abhängigkeiten Indem Unternehmen ihre Material- und Energiequellen diversifizieren und auf erneuerbare Ressourcen umstellen, können sie ihre Abhängigkeit von volatilen Rohstoffmärkten und Energiepreisen verringern. Dies kann dazu beitragen, das Risiko von Versorgungsengpässen oder Preisschwankungen zu mindern. Rechtliche und regulatorische Compliance Kreislaufwirtschaft und nachhaltige Praktiken werden zunehmend von Regierungen und Behörden gefördert und gefordert. Durch die Umsetzung von Kreisläufen können Unternehmen sicherstellen, dass sie den geltenden Umweltvorschriften entsprechen und möglichen rechtlichen Risiken vorbeugen. Zugang zu neuen Märkten und Kunden Eine wachsende Zahl von Kunden bevorzugt Produkte und Dienstleistungen von Unternehmen, die sich umweltbewusst und nachhaltig verhalten. Durch die Organisation von Kreisläufen können Unternehmen neue Märkte erschließen und Kunden ansprechen, die eine nachhaltige und ressourcenschonende Produktauswahl bevorzugen. Fazit Diese wirtschaftlichen Vorteile zeigen, dass die Organisation von Kreisläufen nicht nur positive Umweltauswirkungen hat, sondern auch eine wirtschaftlich nachhaltige Entscheidung für Unternehmen sein kann. Welcher Aufwand steckt dahinter? Die Organisation von Kreisläufen erfordert in der Regel einen gewissen Aufwand seitens des Unternehmens. Der genaue Aufwand hängt von verschiedenen Faktoren ab, wie beispielsweise der Größe des Unternehmens, der Branche, in der es tätig ist, und den spezifischen Zielen und Maßnahmen, die umgesetzt werden sollen. Hier sind einige Aspekte, die Unternehmen berücksichtigen müssen: Analyse und Planung Unternehmen müssen zunächst eine umfassende Analyse durchführen, um die bestehenden Prozesse zu verstehen, Schwachstellen zu identifizieren und Potenziale für Kreisläufe zu erkennen. Aufgrund dieser Analyse können dann konkrete Ziele und Maßnahmen entwickelt und in einen Umsetzungsplan überführt werden. Investitionen Je nach den spezifischen Kreislaufinitiativen können Investitionen erforderlich sein. Dies kann den Erwerb neuer Technologien, den Aufbau von Rücknahmesystemen, die Anpassung von Produktionsanlagen oder die Schulung der Belegschaft umfassen. Unternehmen müssen die KostenNutzen-Aspekte abwägen und die langfristigen wirtschaftlichen Vorteile in Betracht ziehen. Schulung und Bewusstseinsbildung Eine erfolgreiche Implementierung von Kreisläufen erfordert oft eine Veränderung der Unternehmenskultur und das Engagement der Mitarbeitenden. Schulungsmaßnahmen und Initiativen zur Bewusstseinsbildung sind notwendig, um das Wissen und das Verständnis für Kreislaufwirtschaft zu fördern und die Mitarbeitereinbindung zu gewährleisten. Zusammenarbeit und Kooperation Um Kreisläufe effektiv zu organisieren, ist eine enge Zusammenarbeit mit Lieferanten, Kunden, Entsorgungspartnern und möglicherweise anderen Unternehmen in der Wertschöpfungskette erforderlich. Die Etablierung von Partnerschaften und die gemeinsame 10 Foto: dmitrydesigner - stock.adobe.com

Entwicklung von Lösungen können Zeit und Ressourcen erfordern. Monitoring und Anpassung Die Umsetzung von Kreisläufen erfordert eine kontinuierliche Überwachung und Bewertung, um den Fortschritt zu verfolgen, mögliche Hindernisse zu identifizieren und Verbesserungen vorzunehmen. Unternehmen müssen geeignete Messinstrumente und Berichtssysteme einführen, um den Erfolg ihrer Kreislaufinitiativen zu messen und entsprechende Anpassungen vorzunehmen. Fazit Der Aufwand für die Organisation von Kreisläufen kann anfangs höher sein, insbesondere wenn grundlegende Veränderungen in den Geschäftsprozessen erforderlich sind. Es ist jedoch wichtig zu beachten, dass der langfristige Nutzen, wie Kosteneinsparungen, verbesserte Wettbewerbsfähigkeit und die Erschließung neuer Märkte, die Kosten überwiegen können. Zudem können Unternehmen schrittweise vorgehen und ihre Kreislaufinitiativen im Laufe der Zeit ausbauen und optimieren. Welche Experten können Unternehmen einbeziehen? Bei der Umstellung auf Kreisläufe können Unternehmen von verschiedenen Experten und Organisationen beraten und unterstützt werden. Hier sind einige Beispiele: Beratungsunternehmen für Nach- haltigkeit und Umweltmanagement Es gibt spezialisierte Beratungsunternehmen, die Unternehmen bei der Entwicklung und Umsetzung von Kreislaufwirtschaftskonzepten unterstützen können. Sie bieten Fachwissen, analytische Fähigkeiten und helfen bei der Entwicklung maßgeschneiderter Lösungen für das jeweilige Unternehmen. Branchenverbände und Netzwerke Viele Branchenverbände und Netzwerke setzen sich für die Förderung von Kreislaufwirtschaft ein und bieten Informationen, Schulungen und Beratungsdienstleistungen für ihre Mitglieder an. Diese Organisationen können helfen, bewährte Verfahren zu identifizieren, Kontakte zu knüpfen und den Austausch von Erfahrungen und Wissen zu fördern. Forschungs- und Bildungseinrichtungen Universitäten, Forschungsinstitute und Bildungseinrichtungen können Unternehmen mit Fachwissen und Forschungsergebnissen unterstützen. Sie können bei der Analyse von Prozessen helfen, innovative Lösungen entwickeln und Schulungen oder Workshops anbieten, um das Bewusstsein für Kreislaufwirtschaft zu stärken. Regierungsstellen und Förderprogramme Regierungsstellen auf nationaler, regionaler und lokaler Ebene bieten häufig Förderprogramme, Schulungen und Beratungsdienste an, um Unternehmen bei der Umstellung auf Kreisläufe zu unterstützen. Förderprogramme können finanzielle Unter- stützung oder Steuervergünstigungen bieten, um nachhaltige Geschäftspraktiken zu fördern. NGOs und gemeinnützige Organisationen Nichtregierungsorganisationen und gemeinnützige Organisationen, die sich auf Umwelt- und Nachhaltigkeitsfragen spezialisiert haben, können Unternehmen bei der Entwicklung und Umsetzung von Kreislaufwirtschaftskonzepten beraten. Sie können darüber hinaus auch Informationen, Schulungen und praktische Hilfestellungen bieten. Fazit Es ist ratsam, verschiedene Beratungsstellen zu kontaktieren, um deren Fachkompetenz, Erfahrung und Verfügbarkeit zu prüfen und sicherzustellen, dass sie den spezifischen Bedürfnissen und Zielen des Unternehmens entsprechen. Die Auswahl der richtigen Beratungspartner hängt von den individuellen Gegebenheiten des Unternehmens, der Branche und den angestrebten Zielen ab. (tl) Schmelzklebstoff ausgezeichnet Zwei Preise für TITK-Innovation Für den vollständig biobasierten und biologisch abbaubaren Schmelzklebstoff Caremelt – einer Innovation aus dem Thüringischen Institut für Textil- und Kunststoff-Forschung Rudolstadt e.V. (TITK) –hagelt es derzeit Auszeichnungen. Die Forschenden konnten jüngst gleich zwei renommierte Preise einsammeln. Kreisläufe und Nachhaltigkeit 11 Foto: TITK Bayerns Staatsministerin Michaela Kani- ber mit TITK-Direktor Benjamin Redlings- höfer (l.) und Caremelt®-Projektleiter Andreas Krypczyk Der Klebstoff ist in Halle (Saale) mit dem renommierten BIOPOLYMER Innovation Award ausgezeichnet worden. Dieser Preis wird alljährlich vom Verein POLYKUM e.V - Fördergemeinschaft für Polymerentwicklung und Kunststofftechnik in Mitteldeutschland vergeben. Die Ehrung fand im Rahmen des Kongresses „BIOPOLYMER – Processing & Moulding“ in der Georg-Friedrich-Händel-Halle statt. Nur Tage später folgte die nächste große Auszeichnung: Die bayrische Staatsministerin für Ernährung, Landwirtschaft und Forsten, Michaela Kaniber, überreichte dem Rudolstädter Forschungsinstitut den mit 10.000 Euro dotierten Ernst-Pelz-Preis. Die festliche Preisverleihung fand im Rahmen des Symposiums „Energie- und Ressourcenwende: von der Strategie zu Best Practice“ statt, das vom C.A.R.- M.E.N. e.V. – dem Centralen Agrar-Rohstoff Marketing- und Energie-Netzwerk des Freistaats Bayern– in der Residenz Würzburg ausgerichtet wurde. Der Ernst-Pelz-Preis war 1992 von der ErnstPelz-Stiftung ins Leben gerufen worden, um Technologien für die Verwertung nachwachsender Rohstoffe weiterzuentwickeln und auch finanziell zu fördern. (tl)

12 Foto: LEG Thüringen ist weiter auf dem Weg, führender Batterie-Standort in Deutschland zu sein. Das hat sich auch international herumgesprochen. Jetzt plant ein Unternehmen mit finnischen Wurzeln eine Investition im Freistaat. Finnen planen Standort für Batterie-Recycling in Artern Industriegebiet „Alte Kyffhäuserhütte“ Fortum Battery Recycling ist ein Spezialist für das Recycling kritischer Metalle in Lithium-Ionen-Batterien für Elektrofahrzeuge und industrielle Anwendungen. Das Unternehmen prüft derzeit die Möglichkeit, im Industriegebiet „Alte Kyffhäuserhütte“ in Artern eine Produktionsanlage für nachhaltige sekundäre Batteriematerialien zu errichten. Die Anlage wird der zweite Standort von Fortum Battery Recycling in Mitteleuropa sein. Bereits seit März gibt es einen Standort im baden-württembergischen Kirchardt. In seiner finnischen Heimat in Harjavalta betreibt Fortum eine hydrometallurgische Anlage, die heute Europas größte Recyclinganlage für Elektroautobatterien mit geschlossenem Kreislauf ist. Das Industriegebiet in Artern liegt zentral in Deutschland. Dadurch sind es nur kurze Wege zu den führenden Unternehmen der Batterie- und Automobilindustrie. Thüringen strebt an, als eines von wenigen Bundesländern die gesamte Wertschöpfungskette der Batterietechnik abzudecken – von der Grundlagen- und angewandten Forschung über die Produktion mobiler und stationärer Batterien bis hin zum Recycling. Thüringens Wirtschaftsminister Wolfgang Tiefensee begrüßt die Pläne und sagt die Unterstützung des Landes für die geplante Ansiedlung zu. Er freue sich, dass das Investitionsvorhaben von Fortum seit dem Erstkontakt zum Unternehmen im April 2022 nunmehr konkrete Gestalt annehme. Arterns Bürgermeister Torsten Blümel bestätigte die Ansiedlungspläne von Fortum in seiner Stadt. „Die Stadt Artern würde die geschätzten 70 neuen Arbeitsplätze, die durch die Ansiedlung von Fortum Battery Recycling in der Region entstehen könnten, sehr begrüßen“, so das Stadtoberhaupt. Tero Holländer, Head of Business Line Batteries bei Fortum Battery Recycling, formuliert derweil ehrgeizige Ziele seines Unternehmens: „Wir planen, unsere Recyclingkapazität bis 2030 auf über 200.000 Tonnen Batterieabfälle zu erhöhen. Bis dahin haben wir auch die Eröffnung von zwei weiteren hydrometallurgischen Anlagen in Europa sowie etwa sieben mechanischen Recyclinganlagen zur Herstellung von Schwarzmasse für die hydrometallurgischen Anlagen geplant. Unser Ziel ist es, die gesamte Branche dabei zu unterstützen, in Europa nachhaltigere Batterien herzustellen.“ (tl) Industriegebiet „Alte Kyffhäuserhütte“ in Artern

Kreisläufe und Nachhaltigkeit 13 Foto: Panthermedia Kreislaufwirtschaft in Unternehmen ist nicht nur eine Frage des Wollens. Mindestens ebenso wichtig ist das richtige Know-how. Moderne Verfahren zum Recycling von Bauteilen und Werkstoffen sind ein wichtiger Baustein, um die Kreislaufführung von Produkten zu verbessern. Eine neue Kurzanalyse des VDI Zentrums Ressourceneffizienz (VDI ZRE) zeigt innovative Recyclingtechnologien und Verwertungsverfahren. Technologien für ressourcen- effiziente Kreislaufwirtschaft Innovative Recyclingtechnologien In manchen Bereichen ist die Kreislaufwirtschaft schon gang und gäbe. Die Sammlung, Aufbereitung und der Wiedereinsatz von Sekundärrohstoffen funktioniert für klassische Materialien wie Papier, Glas oder Stahl bereits sehr gut. Für andere Stoffe und Produkte wie beispielsweise Kunststoffe, Batterien und Akkumulatoren, Elektroaltgeräte oder gar Edel- und Sondermetalle oder PV-Module bedarf es hingegen weiterer Anstrengungen bei der Entwicklung von geeigneten Verfahren, um eine ressourceneffiziente Kreislaufwirtschaft zu etablieren. Die neue Kurzanalyse gibt einen Einblick in den aktuellen Stand der Entwicklung innovativer Recyclingtechnologien und Verwertungsverfahren für diese genannten Fraktionen. Mit der Publikation erhalten insbesondere kleine und mittlere Unternehmen (KMU) des verarbeitenden Gewerbes einen Einblick in die Abläufe sowie die aktuellen Chancen und Herausforderungen der Entsorgungs- beziehungsweise Recyclingbranche. Besondere Herausforderungen Die Herausforderungen reichen von heterogen zusammengesetzten Stoffströmen bis zu fehlenden Produktinformationen, wie beispielsweise der Rohstoffverteilung im Produkt. Aber auch die Vermarktung von Rezyklaten geringerer Qualität steckt noch in den Kinderschuhen. Für die betrachteten Stoff-Fraktionen zeichnet sich ab, dass die Akteure auf die bestehenden Herausforderungen mit der Weiterentwicklung von Trenn- und Sortiertechnologien reagieren. Ziele sind höhere Recyclingkapazitäten und geschlossene, aufeinander abgestimmte Prozesse entlang der Wertschöpfungskette. Transparenz ist wichtig Eine ressourceneffiziente Kreislaufwirtschaft braucht nach Ansicht der VDI-Experten die Mitarbeit aller Agierenden. Nur im komplexen Zusammenwirken könne die Gesamteffizienz gesteigert werden. Ein recyclinggerechtes Produktdesign und eine transparente Bereitstellung von Informationen über verbaute Rohstoffe und Bauteile sind dabei Voraussetzung und Mittel zugleich. Beauftragt wurde die Kurzanalyse vom Bundesumweltministerium. (tl) tinyurl.com/4cn9r7tu Die werkstoffliche Aufbereitung von Kunststoffen macht es in Zukunft möglich, Rezyklate herzustellen, die auch für ihren ursprünglichen Zweck wieder eingesetzt werden können.

Rubrik 14 Foto: Papacks Der Termin hat Schlagzeilen gemacht: Mitte Juni eröffnete das Verpackungsunternehmen Papacks am Ostrand von Arnstadt seine bereits zweite Gigafactory. 30 Millionen Euro hat Papacks in Thüringen investiert. Dabei soll es aber nicht bleiben. Geht es nach Firmengründer und -chef Tahsin Dag soll hier innerhalb kurzer Zeit ein Campus für Faserwirtschaft entstehen. Wer ist der Mann, der mit diesen Ideen nach Thüringen gekommen ist? WIRTSCHAFTSSPIEGEL-Chefredakteur Torsten Laudien hat ihn getroffen und einen Menschen mit einer bemerkenswerten Biografie und klaren Visionen kennengelernt. „Wir denken nur bis zur Mülltonne“ Unternehmerportrait Tahsin Dag Wer Papacks in Arnstadt besuchen will, sollte sich nicht unbedingt auf sein Navi verlassen. Selbst moderne Systeme kennen die Adresse „An den Pappeln“ nicht. Aber man kann es leicht finden. Vor Ort gibt es wenigstens einen Wegweiser. Erster Eindruck von außen: Industriegebäude wie andere auch, nur dass das Wort Gigafactory an der Fassade prangt. Hm, denkt man sich und erinnert sich an einen amerikanischen Milliardär, der eine ebensolche aus dem märkischen Sand gestampft hat. Aber die Frage heben wir uns für den Schluss auf. Auftritt Tahsin Dag. Ein kleiner drahtiger Mann im weißen Arbeitskittel, ebenso weißem Hemd und weißen Sneakern. Und offensichtlich ein Mensch, der sein jeweiliges Gegenüber mit offenem Wesen empfängt. Jemand, der etwas zu erzählen hat, eine Botschaft ‘rüberbringen will – seine Botschaft von Nachhaltigkeit. Man muss ihn etwas einbremsen, wenn man etwas über den Menschen Tahsin Dag erfahren will. Aber dann tut er es doch, und zwar mit der ihm eigenen Offenheit. Geboren wurde er vor knapp 40 Jahren als Kind jesidischer Kurden. Auch ohne es zu googeln, wird klar, dass es bessere Voraussetzungen für einen Start ins Leben gibt. Sein Geburtsort liegt in Ostanatolien und heißt Viransehir. Das scheint ihm so wichtig zu sein, dass man den Namen von seinem Personalausweis abschreiben soll. Seine Eltern sind Bauern. Im Alter von vier Jahren nehmen sie den kleinen Tahsin mit auf die Flucht nach Deutschland. Eine abenteuerliche Odyssee, die zwei Jahre dauert. Schließlich kommt die Familie in Niedersachsen an, wo sie ein Jahr in einem Asylbewerberheim lebt. Dann kommt die Familie in einer Wohnung in Sulingen unter. Die Kleinstadt bei Diepholz verfügt über ein Gymnasium. Tahsin Dag ist Mitte der 1990er Jahre der erste Ausländer, der dort aufgenommen wird. Er ist ehrgeizig, will seine Chancen nutzen und etwas aus seinem Leben machen. Zum Arbeiten ist er sich nie Für die offiziellen Fotos dann doch lieber im Anzug: Papacks-Gründer und -Chef Tahsin Dag.

Thüringen 15 Foto: Torsten Laudien zu schade. Schon mit zwölf Jahren verdient er sich etwas dazu, indem er Teller abwäscht. Später wäscht er Autos. Warum auch immer, kurz vor dem Abitur bricht Tahsin Dag die Schule ab. Es zieht ihn in die große weite Welt. Die Rheinmetropole Köln wird sein neues Zuhause und bleibt es bis heute. Dort landet er in der Gastronomie. Kurze Zeit später leitet er bereits eine kleine Bar. Hier kommt er notwendigerweise in Kontakt mit der Getränkeindustrie. In seinem Falle ist es ein Konzern, der in unseren Breiten durch einen recht erfolgreichen Fußballverein bekannt ist. Hier beginnt das, was man heute gern als Mindset-Change bezeichnet – Tahsin Dag beginnt zu hinterfragen, was sich da um ihn tut. Er ist in dieser Zeit im Außendienst tätig und betreut Groß-Events. Seine „rote Brause“ gibt es nur in Dosen, die auf Paletten stehen und von Unmengen von PETFolie zusammengehalten werden. Bei 5,5 Milliarden Büchsen pro Jahr kann man nur schätzen, welche Menge Plastikmüll da anfällt – es ist jedenfalls unfassbar viel. Muss das sein? Es gibt doch andere Lösungen – die bekannteste ist der Eierkarton. Tahsin Dag stürzt sich in dieses Thema. „Mit Fantasie und Weitblick“, wie er heute sagt. Und dann lässt er sich im Gespräch doch nicht mehr bremsen. „Wir machen uns viel zu wenig Gedanken“, sagt er und geht noch einen Schritt weiter: „Wir denken nur bis zur Mülltonne“. Wir dürften den Bezug zu Umwelt und Natur nicht verlieren, in der Verpackungsindustrie sei das schon geschehen. Die weiteren unternehmerischen Schritte seien hier nur angerissen. Wenn wir vorhin schon den Tellerwäscher erwähnt haben, soll das nächste Klischee nicht ausbleiben: Tahsin Dag startete sein Unternehmen in einer Garage. Die weitere Entwicklung verlief auch nicht ohne Friktionen. Dag erzählt von einem japanischen Großkonzern, der ihn als möglicher Investor über den Tisch ziehen wollte und anderen Dingen mehr. Heute kann Tahsin Dag auf eine erfolgreiche Entwicklung seiner Ideen verweisen, PET und Glas durch pflanzliche Fasern als Verpackungsmaterialien abzulösen. Rund 70 Patente hält sein Unternehmen weltweit. Mit seinen Lösungen lassen sich nicht nur die Trays für Getränke herstellen, sondern zum Beispiel auch Tiegel für Cremes. Ein internationaler Produzent von Reinigungsmitteln verwendet mittlerweile Flaschen aus Hanf. Nutzhanf, den er bereits auf rund 2.000 Hektar Fläche in der Ukraine anbauen lässt. Irgendwann stellt sich die Frage, ob sein Werdegang auch etwas mit seiner persönlichen Biografie zu tun hat. „Ja“, sagt Tahsin Dag und wird für einen kurzen Moment nachdenklich. Dann erzählt er die Geschichte von seinem verstorbenen Vater, den er zur Beisetzung in das ostanatolische Heimatdorf Viransehir überführt hat. Hier hat er wieder erlebt, mit welch einfachen Mitteln die Menschen dort auskommen. Wie man zum Beispiel Pferdeäpfel nutzbringend verwenden kann. Und wie er von seinem letzten Geld am Flughafen Istanbul eine Tasche kaufte. Aufschrift: I love my planet. Und was heißt das jetzt alles? Ist Tahsin Dag das, was man hierzulande süffisant als Gutmensch bezeichnet? Da wird er technisch und grundsätzlich. „Wir müssen die Kreislaufwirtschaft neu denken“, sagt er. Wir müssten uns von herkömmlichen Systemen lösen. Und er sagt auch: „Ich bin Kapitalist. Ohne Profit gibt es kein Geld für die Umsetzung von Nachhaltigkeit.“ Und dann schiebt er noch einen Satz nach, den man öfter hört: „Die Menschen, die sich heute im Namen des Klimaschutzes auf Straßen festkleben, sollten ihre Zeit besser damit verbringen, nach nachhaltigen Problemlösungen zu suchen.“ Da gebe es genug zu tun. Bleibt am Ende noch die Frage nach dem Begriff Gigafactory. Er habe die Bezeichnung für sein Arnstädter Projekt lange vorher festgelegt, bevor Elon Musk seine Pläne öffentlich gemacht habe. Tahsin Dag ist so offen und überzeugend, dass man ihm das glauben mag. Kann ja sein, dass zwei Visionäre den gleichen Gedanken hatten. (tl) Das Credo von Tahsin Dag: Ohne Plastik ist es besser.

Anzeige 16 Die Leuchtwert Service GmbH, ein Großhandel für Photovoltaik, LED und Batterien vom Erfurter Kreuz, wurde im Jahr 2011 gegründet. Das Unternehmen präsentiert innovative smarte Beleuchtungslösungen, die nicht nur in der Beleuchtungsindustrie Vorreiter sind, sondern auch einen wertvollen Beitrag zum Umweltschutz leisten. Geschäftsführer Oliver Steinacker betont: „Wir streben danach, durch unsere intelligenten Straßenleuchten die Kosten für Unternehmen und Städte zu reduzieren und somit nachhaltig unsere Straßen zu erhellen!“ Leuchtwert Service GmbH Als Spezialist für die Entwicklung und den Vertrieb nachhaltiger und intelligenter Beleuchtungssysteme konzentriert sich das Unternehmen auf die Verringerung des Energieverbrauchs und der CO2-Emissionen. Alles aus einer Hand beim Licht-Management heißt bei Leuchtwert, das Unternehmen übernimmt die Projektierung, beschafft die Produkte, führt die Installation durch und ist auch Ansprechpartner während des Betriebs der Anlagen. Die smarte Steuerung und Programmierung der Außen- und Innenleuchten ermöglicht ein automatisches Dimmen je nach Zeit, Helligkeit oder Präsenz, stufenloses Dimmen, eine mitlaufende Beleuchtung, eine Nachtabsenkung in frei definierbaren Stufen, eine automatische Erkennung der Sommer- und Winterzeit, eine Kalenderfunktion für Ausnahmen sowie die Dokumentation von Energieverbrauch und Betriebszeiten. Durch diese zahlreich individuell einstellbaren Funktionen sparen Kunden nicht nur Stromkosten, sondern schonen auch Ressourcen und tragen zum nachhaltigen Umweltschutz bei. Weitere Vorteile der Leuchtwert-Lösungen sind die Minimierung des Wartungsaufwands, die Verringerung von Unfall- und Gefahrenpotenzialen sowie die Verbesserung von Arbeitsbedingungen und -atmosphäre. Auch die einfache Bedienung der Anlagen ist nicht zu vernachlässigen. Investition zahlt sich schnell aus Die Investition in neue Beleuchtungs- lösungen kann sich für LeuchtwertKunden schnell auszahlen. Durch den Leuchtentausch kann eine Einsparung von bis zu 70 Prozent erzielt werden. Weitere Einsparungseffekte können durch tageslichtabhängiges Dimmen und eine prozessabhängige Beleuchtungssteuerung erreicht werden. Und noch einen Aspekt hebt Geschäftsführer Oliver Steinacker hervor: Durch Wahl der Lichtfarbe Amber lässt sich Unsere Kunden sparen nicht nur Stromkosten, sondern tragen auch zum nachhaltigen Umweltschutz bei. Oliver Steinacker Geschäftsführer Leuchtwert Service GmbH So viel Licht wie nötig, wenn nötig, wo nötig –Made in Thüringen Produktionshalle bei Wintersteiger

Wir schätzen die innovative Technologie und das Engagement für erneuerbare Energien. Matthias Nemitz Werksleiter Hörmann KG Ichtershausen Anzeige 17 der sogenannte Beleuchtungssmog verringern, der als schädlich für Pflanzen und Tiere gilt. Leuchtwert hat bereits bemerkenswerte Projekte realisiert, darunter die smarte Beleuchtung für den Arnstädter Firmensitz der Wintersteiger Sägen GmbH. Hier wurden der Innenbereich der Produktion sowie das Hochregallager ausgestattet. Geschäftsführer Stefan Hengelhaupt lobt die Zusammenarbeit. „Die smarten Beleuchtungslösungen von Leuchtwert haben unsere Erwartungen übertroffen. Die Möglichkeit, unsere Fabrikhallen intelligent zu beleuchten, hat nicht nur zu erheblichen Kostenersparnissen geführt, sondern auch zu einer spürbaren Reduzierung unseres ökologischen Fußabdrucks." Als eines der diesjährigen Projekte sind die Beleuchtung des Parkplatzes und der Hallen der Hörmann KG am Firmensitz in Ichtershausen in die Umsetzungsphase gegangen. Auch hier wird die Kooperation mit der Leuchtwert Service GmbH sehr positiv bewertet: „Die Entscheidung für die nachhaltigen Beleuchtungssysteme des Unternehmens Leuchtwert war ein Schritt in Richtung einer grüneren und effizienteren Zukunft. Wir schätzen die innovative Technologie und das Engagement für erneuerbare Energien, die uns helfen werden, unsere Parkplätze optimal zu beleuchten. Zudem sitzt Leuchtwert direkt bei uns um die Ecke, was die Kommunikation deutlich erleichtert hat. Lokale Unternehmen müssen sich unterstützen“, so Werksleiter Matthias Nemitz von der Hörmann KG. Leuchtwert bietet lange Garantiezeiten und Rundum-Service Unter demMotto Leuchten individuell und kundenspezifisch ‚Made in Thüringen‘ bietet Leuchtwert eine beeindruckende zehnjährige Garantie auf Beleuchtungssysteme für den Außenbereich und eine fünfjährige Garantie für den Innenbereich. Eine Volumensteuerung sorgt für maximale Flexibilität. Die Leuchtwert Service GmbH begleitet Kunden nach dem 360-Grad-Prinzip von der Projektierung über die Produktauswahl bis hin zur FinanDie smarten Beleuchtungslösungen von Leuchtwert haben unsere Erwartungen übertroffen. Stefan Hengelhaupt Geschäftsführer Wintersteiger Sägen GmbH Arnstadt Leuchtwert Service GmbH Carl-Miele-Straße 6 99334 Amt Wachsenburg www.leuchtwert.de Hochregallager bei Wintersteiger zierung, Installation und Inbetriebnahme. Mit diesem umfassenden Ansatz ermöglicht das Unternehmen anderen Unternehmen und Städten einen nahtlosen und effizienten Übergang zu nachhaltigen Beleuchtungslösungen. In einer Zeit, in der Unternehmen und Städte vermehrt umweltfreundliche und kostensparende Lösungen suchen, setzt die Leuchtwert Service GmbH neue Standards. Mit einem klaren Fokus auf Technologie, Nachhaltigkeit und erneuerbare Energien leistet das Unternehmen einen entscheidenden Beitrag zur Verbesserung der Energieeffizienz und zur Gestaltung einer nachhaltigen Zukunft.

18 Sowohl Hersteller als auch Nutzer von modernen Werkzeugmaschinen stehen vor großen Herausforderungen, wenn es um die Digitalisierung in der Fertigung geht. Wie kann das Industrial Internet of Things (IIoT) bei verschiedenen Maschinen unterschiedlicher Hersteller genutzt werden und welche Vorteile entstehen dadurch? Eine umfassende Digitalisierung der kompletten Fertigung erscheint vielen als Mammutaufgabe. Es geht aber auch Schritt für Schritt zum Beispiel mit der IIoT-Plattform moneo von ifm. ifm electronic Digitalisierung der Werkzeugmaschinen Industrie 4.0 und Digitalisierung steht in fast allen Unternehmen der fertigenden Industrie auf der Agenda. In metallbearbeitenden Unternehmen ist in der Regel ein großer Maschinenpark im Einsatz. Das Spektrum reicht von einfachen Dreiachs-CNC-Fräsen bis zu komplexen Sondermaschinen. Hersteller, Baujahr und Steuerungen können dabei sehr unterschiedlich sein; das gilt auch für die zur Verfügung stehenden Schnittstellen. Retrofit in der Produktionshalle Einen heterogenen Maschinenpark im Rahmen eines Retrofits zu digitalisieren, erscheint sehr komplex. Es ist daher vorteilhaft die Digitalisierung zunächst in einem begrenzten Bereich vorzunehmen. Ein typisches Beispiel ist die Überwachung des Druckluftverbrauchs, die praktisch immer installiert werden kann, ohne in die Maschinen eingreifen zu müssen. Die entsprechenden Drucksensoren werden einfach in die Versorgungsleitungen integriert, um die Verbräuche zu messen. Ideal geeignet sind hierfür Druckluftzähler der SD-Reihe von ifm, die Druck, Temperatur, Durchfluss und Verbrauch erfassen. Wie fast alle Sensoren von ifm verfügen diese über eine IO-Link-Schnittstelle für digitale Signalübertragung und Parametrierung. Über die IO-Link-Master können dann die Verbrauchswerte sehr einfach an übergeordnete Systeme übertragen werden. Ideal geeignet ist hierfür die IIoT-Plattform moneo, in der sich sämtliche Werte in übersichtlichen Dashboards darstellen und dokumentieren lassen. Damit können dann beispielsweise Druckluftlecks frühzeitig erkannt und schnell behoben werden. Die IIoT-Plattform moneo ist dabei als universelles Tool einsetzbar, das praktisch alle Schnittstellen bedienen kann – selbstverständlich auch das in der WerkzeugmaschinenBranche in den meisten Fällen verwendete Kommunikationsprotokoll OPC/UA. Der große Vorteil einer solchen Lösung: Die Digitalisierung und Industrie-4.0-Konzepte können zunächst in einem beschränkten Umfang getestet IO-Link Drucksensoren liefern Daten zur optimalen Maschinensteuerung. Anzeige

Anzeige 19 werden. Da moneo komplett skalierbar ist, lassen sich solche Lösungen dann Schritt für Schritt erweitern, um die Digitalisierung voranzutreiben. Predictive Maintenance spart Kosten und erhöht die Verfügbarkeit Die in den Sensoren erfassten Messwerte und den daraus in moneo generierten Informationen können für viele weiterführende Anwendungen verwendet werden. Die Verbrauchserfassung von Kühl-Schmiermittel kann beispielsweise nicht nur dazu verwendet werden, die Medien in den Maschinen rechtzeitig aufzufüllen, sondern die Verbräuche können direkt an ein ERP-System angebunden werden, in dem dann rechtzeitige Bestellungen ausgelöst werden. Solche automatisierten Abläufe sparen Arbeit und somit Kosten. Auch für Wartung und Instandhaltung sind Informationen in einer IIoT-Anwendung sehr hilfreich. Mit den passenden Messwerten lassen sich beispielweise Predictive-Maintenance-Konzepte umsetzen. Fertigende Unternehmen, die Werkzeugmaschinen in eine digitalisierte Umgebung einbinden möchten, erhalten von ifm umfangreiche Unterstützung. Das Unternehmen agiert dabei nicht nur als reiner Lieferant von Sensoren sowie Hard- und Software, sondern bietet im Rahmen von Projekten auch umfassende Unterstützung beim Engineering. Zusammen mit dem Know-how der firmeneigenen Spezialisten gelingt so eine einfache und schnelle Implementation von Industrie 4.0 auf Basis von moneo. Digitalisierung von Anfang an Bei neuen Maschinen ist ein hoher Digitalisierungsgrad immer häufiger bereits ab Werk vorhanden. Gerade die Vernetzung verschiedener Fertigungsschritte in der Produktion ist ein Trendthema. Auch hier kann ifm als Lieferant für die WerkzeugmaschinenBranche sein Know-how anbieten. Mit seinem Portfolio deckt der Sensorspezialist praktisch das gesamte Spektrum der in einer Werkzeugmaschine benötigten Sensoren ab. Neben Sensoren für die Standardmessgrößen Druck, Durchfluss, Füllstand und Abstand sind viele weitere Komponenten und Systeme für die Branche geeignet. So eignen sich etwa die Komplettsysteme zur Schwingungsüberwachung perfekt für Messungen direkt an der Spindel. Vibrationen, die Qualitätseinbußen zur Folge haben, können so schnell erkannt und durch entsprechende Maßnahmen behoben werden. Und noch wichtiger: Die Vibrationsüberwachung kann auch gefährliche Überlast-Situationen bei der Bearbeitung sofort erkennen. Ein entsprechendes System kann die Bearbeitung innerhalb von Millisekunden unterbrechen, bevor ein teurer Schaden am Werkstück oder der Spindel entsteht. ifm electronic gmbh Friedrichstraße 1 45128 Essen Tel. 0201 2422-0 Telefax 0201 2422-1200 Ansprechpartner Tilo Haug, Senior Manager Automotive tilo.haug@ifm.com www.ifm.com Grenzstandüberwachung von Kühl-Schmiermittel zum Beispiel der Einsatz als Überfüllsicherung Überwachung des Durchflusses und der Temperatur – zwei Messwerte in einem Gerät

20 Uns mittlerweile vertraute Begriffe wie Extremtemperaturen und Hitzeinseln machen deutlich, wie sich das Klima verändert hat. Was aber sind die Effekte dieser Entwicklung auf unsere Innenstädte und wie lassen sich die verschiedenen Faktoren vermessen? Unter Beteiligung der Hochschule Schmalkalden ging ein interdisziplinäres Team just dieser Frage nach. Die Vermessung des Klimas. Über Crowdsourcing als Instrument der Meterologie. In den letzten Jahren konnten wir vermehrt ebenso trockene wie heiße Sommermonate erleben, in denen sich unsere Städte zum Teil stark erwärmten. Die Zahl an Tropennächten, in denen die Temperatur nicht unter 20 Grad Celsius fällt, nahm in der jüngsten Vergangenheit mehr und mehr zu: Bis zu dreimal häufiger tritt dieses Phänomen mittlerweile auf. Gerade die stark bebauten, versiegelten Stadtkerne weisen signifikant erhöhte Temperaturen auf und machen offenkundig, wie nützlich Grünflächen, Bäume und Wasserläufe für die Abkühlung dieser Bereiche sind. Zwischen den Zentren und Randlagen der Städte bestehen zugleich markante Temperaturunterschiede, neigen letztere doch deutlich weniger zur Hitzebildung und -konservierung. Diese Abweichungen werden von den üblichen Instrumenten zur Ermittlung der Temperatur nur ungenügend erfasst, findet die Messung doch zumeist zentral an einem Ort statt und deckt so nicht den ganzen Stadtraum ab. Eine Bürgerinitiative in Bamberg nahm die Unterschiede zwischen der statistischen und der wahrgenommenen Temperatur zum Anlass für eine experimentelle Messung: An verschiedenen Stellen der Stadt wurden die Temperaturen über einen Tag stündlich abgetragen und verglichen, wobei sich Abweichungen von bis zu sieben Grad Celsius ergaben. Von der Qualität der Daten Das Phänomen unterschiedlicher Wärmeentwicklung und die Effekte auf die Menschen vor Augen, lässt sich fragen, ob es nicht andere Möglichkeiten gibt, an meteorologische Daten zu kommen, die ein detaillierteres Bild zeichnen. Eine Option, die Datenlage zu erweitern, besteht im Crowdsourcing, bei dem auf verfügbare Quellen von Datenmaterial außerhalb der Standardmessnetze zurückgegriffen wird. Dabei liegt die Herausforderung der Nutzung dieser Quellen darin, die Qualität der Daten und damit die Validität der Messungen gewährleisten zu können: Welche Instrumente eignen sich unter welchen Umständen für die Ermittlung von welchen Daten, wie lassen sich Messfehler vermeiden? Oder anders: Was sind die Bedingungen und Möglichkeiten der Nutzung von Crowdsourcing zur Gewinnung von atmosphärischen Messdaten? Wie lassen sich Fehler in der Messung vermeiden und wie können Programme fehlerhafte oder unsichere Daten aussortieren? Genau diesen Fragen geht einer Gruppe von Forschenden in einem Beitrag für die Fachzeitschrift „Gefahrstoffe. Reinhaltung der Luft“ Hochschule Schmalkalden (HSM) Die Aufgaben der Messinstrumente der Reihe nach: Niederschlagsmenge, Temperatur, Windrichtung und -stärke (per Ultraschall) Anzeige

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