Rubrik 14 Foto: Papacks Der Termin hat Schlagzeilen gemacht: Mitte Juni eröffnete das Verpackungsunternehmen Papacks am Ostrand von Arnstadt seine bereits zweite Gigafactory. 30 Millionen Euro hat Papacks in Thüringen investiert. Dabei soll es aber nicht bleiben. Geht es nach Firmengründer und -chef Tahsin Dag soll hier innerhalb kurzer Zeit ein Campus für Faserwirtschaft entstehen. Wer ist der Mann, der mit diesen Ideen nach Thüringen gekommen ist? WIRTSCHAFTSSPIEGEL-Chefredakteur Torsten Laudien hat ihn getroffen und einen Menschen mit einer bemerkenswerten Biografie und klaren Visionen kennengelernt. „Wir denken nur bis zur Mülltonne“ Unternehmerportrait Tahsin Dag Wer Papacks in Arnstadt besuchen will, sollte sich nicht unbedingt auf sein Navi verlassen. Selbst moderne Systeme kennen die Adresse „An den Pappeln“ nicht. Aber man kann es leicht finden. Vor Ort gibt es wenigstens einen Wegweiser. Erster Eindruck von außen: Industriegebäude wie andere auch, nur dass das Wort Gigafactory an der Fassade prangt. Hm, denkt man sich und erinnert sich an einen amerikanischen Milliardär, der eine ebensolche aus dem märkischen Sand gestampft hat. Aber die Frage heben wir uns für den Schluss auf. Auftritt Tahsin Dag. Ein kleiner drahtiger Mann im weißen Arbeitskittel, ebenso weißem Hemd und weißen Sneakern. Und offensichtlich ein Mensch, der sein jeweiliges Gegenüber mit offenem Wesen empfängt. Jemand, der etwas zu erzählen hat, eine Botschaft ‘rüberbringen will – seine Botschaft von Nachhaltigkeit. Man muss ihn etwas einbremsen, wenn man etwas über den Menschen Tahsin Dag erfahren will. Aber dann tut er es doch, und zwar mit der ihm eigenen Offenheit. Geboren wurde er vor knapp 40 Jahren als Kind jesidischer Kurden. Auch ohne es zu googeln, wird klar, dass es bessere Voraussetzungen für einen Start ins Leben gibt. Sein Geburtsort liegt in Ostanatolien und heißt Viransehir. Das scheint ihm so wichtig zu sein, dass man den Namen von seinem Personalausweis abschreiben soll. Seine Eltern sind Bauern. Im Alter von vier Jahren nehmen sie den kleinen Tahsin mit auf die Flucht nach Deutschland. Eine abenteuerliche Odyssee, die zwei Jahre dauert. Schließlich kommt die Familie in Niedersachsen an, wo sie ein Jahr in einem Asylbewerberheim lebt. Dann kommt die Familie in einer Wohnung in Sulingen unter. Die Kleinstadt bei Diepholz verfügt über ein Gymnasium. Tahsin Dag ist Mitte der 1990er Jahre der erste Ausländer, der dort aufgenommen wird. Er ist ehrgeizig, will seine Chancen nutzen und etwas aus seinem Leben machen. Zum Arbeiten ist er sich nie Für die offiziellen Fotos dann doch lieber im Anzug: Papacks-Gründer und -Chef Tahsin Dag.
RkJQdWJsaXNoZXIy NDE3NTI=