WIRTSCHAFTSSPIEGEL – Ausgabe 4/2023

Arbeitswelten 28 Foto: Sandra Böhm New Work, Job-Sharing, Vier-Tage-Woche sind nur drei vermeintliche Buzzwords unter vielen, die einem auf dem Arbeitsmarkt und dem sozialen Netzwerk für berufliche Kontakte „LinkedIn“ regelmäßig begegnen. Doch vielerorts werden die neuen Arbeitsformen bereits implementiert. Vorreiterinnen in der Umsetzung sind die beiden Frauen Constanze Buchheim, Expertin für Recruiting und Führung, und Fränzi Kühne, Digitalisierungsexpertin. Wie New Work zum Erfolg führen kann Drei Fragen an: Fränzi Kühne und Constanze Buchheim Warum ist das Installieren neuer Arbeitsformen aktuell so ein wichtiges Thema? Constanze Buchheim: Es ist notwendig, dass wir mehr Freiräume schaffen, denn die Informationsverdichtung, die wir erleben, ist einfach unglaublich. Sie ist nahezu nicht mehr bearbeitbar, weil wir Kommunikation auf allen Kanälen in Sofort-Geschwindigkeit in unterschiedlichen Rollen erleben. Allein durch die Geschwindigkeit der stattfindenden Kommunikation erledigen wir das Drei-, Vier- oder Fünffache. Früher habe ich einen Brief geschrieben und dann sieben Tage auf die Antwort gewartet. In der Zwischenzeit konnte ich ganz strukturiert anderen Thematiken nachgehen. Jetzt ist es so, dass ich permanent unter Beschuss meiner eigenen Aufgaben stehe. Damit geht ein hohes Level an Eigenverantwortung, Eigensteuerung und Komplexitätsmanagement einher. Das braucht die volle Gehirnpower und das kann man einfach nicht auf die gleiche Dauer wie früher ausführen. Da muss man umdenken und verkürzen. Fränzi Kühne: Es taucht jetzt immer wieder die angeblich faule Gen Z auf. Dabei fordern sie eigentlich genau das ein, was die Alten sagen, wenn sie mit der Karriere abgeschlossen haben: Dass sie bereuen im Leben nicht gelebt, sondern nur gearbeitet zu haben. Durch den Fachkräftemangel sind ihnen bei ihren Forderungen kaum Grenzen gesetzt. Was sind häufige Knackpunkte beim Installieren von New Work? Fränzi Kühne: Oft wird die Führungsebene während des Transformationsprozesses vergessen. Einerseits bekommt sie von oben Druck, dass sie die neue Strategie umsetzen muss. Andererseits kommt von unten Druck durch die Ungewissheit und weil sich die Mitarbeitenden nicht geführt fühlen. Das heißt, die Führungsebene muss erstmal empowert werden, um das überhaupt umsetzen zu können. Constanze Buchheim: Veränderung gelingt nur mit Macht. Und die Veränderungs- und Gestaltungsmacht liegt nun mal in der Führungsebene. Sie muss den Rahmen definieren. Um die Veränderung hinzubekommen, muss man Verantwortung in die Hände Constanze Buchheim ist Gründerin und Managing Partnerin der Personalberatung i-potentials. Gemeinsam mit ihrer CoGeschäftsführerin Martina van Hettinga und ihrem HeadhunterTeam transformiert sie die deutsche Digitalwirtschaft, indem sie die richtigen Fach- und Führungskräfte in die Unternehmen bringt. Darüber hinaus ist sie Aufsichtsrätin der „HHL Leipzig Graduate School of Management” sowie des Softwareunternehmens “Valsight” und seit Oktober 2022 Mitglied der Monopolkommission.

RkJQdWJsaXNoZXIy NDE3NTI=