Rubrik 26 Foto: kalou1927 - stock.adobe.com Die Möglichkeiten ausreichend Fachkräfte für den Thüringer Arbeitsmarkt zu gewinnen, sind weitgehend ausgeschöpft. Bis zum Jahr 2035 werden dort altersbedingt etwa 385.000 Personen aus dem Arbeitsleben ausscheiden. Das haben Dresdener Forschende vom dortigen ifo Institut in einer aktuellen Studie berechnet. Der zunehmende Fachkräftemangel trifft ganz Deutschland. Aufgrund regionaler Besonderheiten können nicht alle Bundesländer mit den gleichen Lösungsstrategien die Herausforderung angehen, die Wirtschaftsleistung zu erhalten. Politik und Wirtschaft diskutieren schon längere Zeit darüber, mit welchen Strategien sich Arbeitsplätze in Zukunft besetzen lassen. Im Zentrum steht die Frage, ob unbesetzte Stellen durch Zuwanderung aus dem In- und Ausland zu besetzen sind, oder ob regionale Potenziale ausgeschöpft und so das heimische Arbeitsangebot erhöht werden können. Anhand des Beispiels Thüringen ist jetzt untersucht worden, ob das regionale Potenzial überhaupt ausreicht, den prognostizierten Bedarf der Wirtschaft im Freistaat zu decken. Der vorliegende Aufsatz basiert auf einer Studie für das Thüringer Ministerium für Arbeit, Soziales, Gesundheit, Frauen und Familie. Dafür hat das ifo Institut in Dresden im Rahmen einer aktuellen Fachkräftestudie Fachkräftepotenziale beziffert. Blick hinter die reinen Zahlen Eine Bemerkung sei vorausgeschickt: Mag die Studie auf den ersten Blick als Milchmädchenrechnung daherkommen, so leistet sie bei näherer Betrachtung mehr, als lediglich Zahlen miteinander in Beziehung zu setzen. So berührt sie die Frage, ob die potenziellen Arbeitskräfte über die notwendigen Fähigkeiten und Fertigkeiten für den jeweiligen Arbeitsplatz verfügen. Und sie verweist darauf, dass scheinbares Arbeitskräftepotenzial aufgrund individueller Entscheidungen der Menschen eben nicht gehoben werden kann. Damit kann man im Grunde das Fazit schon vorwegnehmen. „Das regionale Potenzial an Fachkräften ist nicht so groß, wie es oft dargestellt wird, und wird voraussichtlich nicht ausreichen, um den zukünftigen Fachkräftebedarf zu decken“, sagt der Dresdner ifo-Forscher Ernst Glöckner. Wo liegen die Potenziale? Aber nun zu den reinen Zahlen: Nur rund 247.000 Arbeitsplätze können durch Neueintritt von jüngeren Altersgruppen in das Arbeitsleben besetzt werden. Schätzungsweise 15.200 Langzeitarbeitslose können ins Berufsleben zurückgeführt werden, wobei sich hier die Frage nach der notwendigen Eignung stellt. Weiter lässt sich die Erwerbsbeteiligung in den Altersgruppen der 20- bis 30Jährigen beziehungsweise 55- bis 65Jährigen erhöhen. Hieraus ergibt sich rechnerisch die Möglichkeit, 63.600 Personen für den thüringischen Arbeitsmarkt zu gewinnen. Das setzt allerdings voraus, dass deutlich weniger junge Menschen ein Studium aufnehmen als bisher, beziehungsweise dass weniger Menschen vorzeitig in Rente gehen (müssen). Über die Umwandlung von Teilzeit- in Vollzeitbeschäftigte könnte man der Studie zufolge weitere 100.000 Vollzeit-Beschäftigte gewinnen. Glöckler zufolge dürfte auch hier abhängig von den Ursachen für die geringere Arbeitszeit nur ein Teil dieses Potenzials realisierbar sein, „weil sich Menschen freiwillig, zum Beispiel wegen individueller Arbeitszeitpräferenzen oder aufgrund ausreichenden Haushaltseinkommens dafür entscheiden, nur in Teilzeit zu arbeiten.“ Pendler und Rückkehrer Ein exogenes Potenzial für eine DeNeue Studie Fachkräftepotenzial in Thüringen ist weitgehend ausgeschöpft
RkJQdWJsaXNoZXIy NDE3NTI=